Wie ein Orangenwurf eine Pyramide zum Einsturz brachte

Benedikt Matt

Vielen aus unserer Generation fällt es schwer, die Begeisterung für Pater Kentenich nachzuvollziehen, die wir bei den älteren Schönstättern erleben. Natürlich, als Gründer hat er eine Bedeutung für uns – aber viele stören sich am Umgang und Stellenwert, den seine Person in der Schönstattbewegung einnimmt. Der Workshoptitel „Kritischer Student trifft Pater Kentenich“ traf also für viele Teilnehmende einen Nerv und lockte entsprechend seinerseits Teilnehmer an, die kritische Fragen mitbrachten. Pfarrer Faulhaber hatte Schönstatt und Pater Kentenich in der Phase nach dessen Rückkehr aus Milwaukee in mehreren persönlichen Begegnungen erlebt. Im Workshop erzählte er lebendig von seinen Begegnungen mit Pater Kentenich, nahm sich aber auch Zeit für eben diese kritischen Fragen der Teilnehmenden.

Zu Beginn erzählte ganz offen, dass er von der Rückkehr des Gründers aus dem Kirchenexil zunächst gar nicht begeistert gewesen war. Pfarrer Faulhaber, damals Theologiestudent in München, hatte die Schönstattbewegung ohnehin als erstarrt und auf eine ferne Figur fixiert erlebt. Nun fürchtete er, dass mit der Anwesenheit Kentenichs vollends Stillstand einkehren würde. Wie er Schönstatt erlebte macht die „Schönstatt-Pyramide“ überspitzt deutlich, eine Karikatur, die damals in studentischen Kreisen herumgereicht wurde. Darauf war die Bewegung als Pyramide gezeichnet, an deren Spitze groß dargestellt Kentenich stand, während sich der Sockel aus kleinen, demütig zu Boden schauende Figuren zusammensetzte.

Dieses Bild, dass Pfarrer Faulhaber im Kopf gehabt hatte, änderte sich dann durch seine persönlichen Begegnungen: Er erlebte einen offenen, zugewandten und lustigen Mann, der darauf bestand, auch selbst geprüft und hinterfragt zu werden. Die Erzählungen Pfarrer Faulhabers zeigten eine Weite Spanne seines Kentenich-Erlebens auf: sie reichten von einer im Vorbeigehen zugeworfenen Orange über Gesprächen im Kreis seiner Kollegen, bei denen Pater Kentenich eifrig mit einem mitgebrachten Pilgerstab herumfuhrwerkte, bis hin zu tiefen und persönlichen Gesprächen spät in der Nacht.  Was Pfarrer Faulhaber in diesen Momenten erlebte, widersprach dem Bild der Pyramide. In seinen Erzählungen stand Pater Kentenich nicht auf der (auch uns immer wieder begegnenden) Ebene „Vater, Gründer und Prophet“, sondern trat als Mensch in den Vordergrund, der an seinem Gegenüber ehrlich interessiert war. Dadurch wurde die Faszination so vieler Zeitzeugen für Pater Kentenich nachvollziehbar.

Zwischen den Erzählungen nahm Pfarrer Faulhaber sich auch ausführlich Zeit für die Fragen der Teilnehmenden. Dabei machte er auch klar: Schönstatt entspricht heute nicht dem Idealbild, das Pater Kentenich bei der Gründung vorschwebte. Und: Auch unsere Generation muss immer wieder neu fragen, wie Schönstatt sein soll und wie wir es gestalten und leben können. Dazu gehört auch, kritische Fragen zu stellen. So brachte er den Teilnehmenden Kentenich näher, ohne dabei die Kritik und die Fragen unserer Generation beiseite zu wischen – eine Erfahrung, die man gern öfter machen würde.

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