Wir drehen die Zeit um ein paar Monate zurück. Während weite Teile deutschlands im bunten Faschingstreiben versinkt, trifft sich das Kernteam der Nacht des Heiligtums im Herzen Vallendar und stecken ihre Köpfe zusammen um ihre Ideen für das Sommerfestival zu sprühen. Maria Müller und Benedikt Matt aus dem Programmteam haben sich die Zeit genommen und uns ein paar Fragen beantwortet.

Redaktion: Seit Weihnachten ist es raus! Das neue Motto für die anstehende NdH ist „VERwirKLichEN. all in!“. Welche konkrete Bedeutung hat der Titel für dich?

Maria: Ich verbinde vor allem mit all in sehr viel. all in beschreibt, wie unser „VERwirKLichEN“ aussehen soll – mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dabei zu sein. Das ist natürlich sehr hochgegriffen und kann auch eine ziemliche Überforderung darstellen. Andererseits legt es aber auch den Finger genau dort hin, wo es uns eben vielleicht ein wenig weh tut all in zu gehen oder anders gesagt, wir möglicherweise auch ein wenig Angst haben und unsicher sind. Der Gedanke, der mir während der Mottosuche dazu gekommen ist, war beispielsweise der, wie schwer es mir manchmal fällt, Menschen, die ich sympathisch finde, aber noch nicht so gut oder lange kenne, einfach mal was Nettes zu sagen oder sie einfach zu fragen, ob sie nicht mit in die Mensa wollen. Wenn ich dann über die verpassten Kaffeedates hinausdenke, fallen mir aber auch noch ein paar andere Situationen ein, wo ich mich eigentlich richtig ärgere, dass ich mich nicht getraut habe all in zu gehen. Ich denke jeder von uns kennt Situationen, in denen man die Klappe gehalten hat, obwohl man einer anderen Meinung ist oder auch einfach mal keine Lust auf Diskussionen hatte. Das ist auch ab und an ok so, aber um uns oder sich richtig zu verwirklichen und treu zu bleiben, geht es eben auf Dauer nicht nur so ein bisschen, sondern nur ganz und mit allem.

Bene: Für mich steht auch dieser Gedanke das „aus-sich-raus-gehens“ ganz klar im Vordergrund. Wie oft erlebt man, dass jeder so sein eigenes Ding macht, sich dabei aber irgendwie abkapselt? Das passiert nicht mal absichtlich, und deswegen ist es so schwer, das zu durchbrechen – ganzer Einsatz, ein all in ist gefordert. Wir als Schönstattjugend bieten hier Impulse: Meinen Alltag mithilfe der GTO so zu gestalten, dass Raum für WIR entsteht, wo vorher nur Platz für ein ICH war zum Beispiel.

Redaktion: Durch die Nutzung von Instagram und Facebook arbeitet unsere Generation viel an der Selbstdarstellung um von möglichst vielen Anderen selbst bestätigt zu werden. Oft wird dabei eine andere Realität präsentiert. Wie interpretiert ihr euer „Verwirklichen“ im Motto und welche Rolle spielt es auf der NdH?

Maria: Dass der Begriff einseitig negative Assoziationen hervorrufen kann, war uns während der Mottosuche auch bewusst. Das „Verwirklichen“, das wir meinen schließt natürlich auch den individuellen Wunsch nach dem Finden des eigenen Selbst und der Erfüllung großer Träume ein. Durch unsere besondere Schreibweise von VERwirKLichEN wollen wir aber auch ausdrücken, dass nicht nur ein „Ich“ sondern auch ein „Wir“ Subjekt / Objekt des „Verwirklichens“ sein kann. Gerade als Schönstattjugend haben wir auch einen Auftrag an unserem Profil zu arbeiten, nicht stehen zu bleiben und unser Bild von Gemeinschaft in Schönstatt zu verwirklichen. Die dritte Komponente, die wir mit VERwirKLichEN ansprechen wollen, ist das Substantiv dieses Verbs, das Werk. Als Schönstätter, Christen oder auch einfach „nur“ als Menschen dürfen wir auch gestalterisch, schöpferisch, verwirklichend tätig sein. „Verwirklichen“ zeigt für mich besonders eindrücklich, dass wir aber nicht einfach nur mal so drauf los werkeln, sondern eine konkrete Idee, ein Bild von unseren persönlichen Zielen, unseren gemeinsamen Wünschen, ein Werk im Sinn haben.

Bene: Ich will da vor allem einen von den Aspekten unterstreichen, die Maria genannt hat: Das Wirklichwerden-lassen von Visionen. Neuer Mensch in neuer Gemeinschaft ist eine Vision, die beim einzelnen beginnt. Nur fromm daherzureden macht die Welt zu Null Komma Nix besser. Man muss die Visionen nicht nur haben, sondern auch verwirklichen! Und daran anknüpfend: Die Vision wird dann verwirklichbar, wenn sie nicht mehr nur in einem einzelnen ICH schlummert, sondern ein großes WIR sie teilt. Die Hervorhebungen haben also auch eine apostolische Komponente.

Redaktion: Als Programmteam macht ihr euch Gedanken um die Rahmenbedingungen der NdH? Auf was dürfen sich die Teilnehmer besonders freuen und gibt es vielleicht einige Neuheiten?

Maria: Allzu viel können wir natürlich noch nicht verraten, da wir erst am Beginn der Arbeit sind. Sicher ist aber, dass wir zusätzlich zur altbekannten Grobstruktur der NdH die Auseinandersetzung mit dem Mottotalk durch sich daran anschließende kleinere theamtische Foren fördern wollen. Man könnte auch von einer Art zusätzlichen dritten Workshoprunde am Vormittag sprechen.

**Bene: **Freuen dürfen sich die Teilnehmer auf den perfekten Mix aus dem, was man von einer NdH erwartet und dem, was man nicht erwartet. Für Details muss man aber teilnehmen!

Redaktion: Als Teil des Kernteams befasst ihr euch schon ein dreiviertel Jahr mit der NdH. Während des Festivals gibst du nochmal deine Zeit her, um anderen Menschen ein schönes Erlebnis zu bescheren. Worauf freust du dich am meisten, wenn du an die Nacht des Heiligtums denkst?

Maria: So ausschließlich ist das eigentlich nicht zu beantworten, aber auf zwei Dinge, die für mich im letzten Jahr sehr besonders waren, freue ich mich auch jetzt wieder: Einmal auf das Morgengebet während der Helferwoche – da konnte ich während all des Trubels einmal tief durchatmen und mir jeden Tag neu vergegenwärtigen, wofür wir die NdH machen und zum zweiten auf die Arbeit und den Spaß mit sehr vielen netten Menschen, die ich auch ohne Probleme fragen würde, ob sie mit in die Mensa wollen. ;-)

Bene: Ein besonderes Highlight war für mich immer die Liebesbündnisfeier. Es gab bisher jedes Jahr einen Augenblick während der Feier, der sich mir wegen seiner Intensität ins Gedächtnis eingebrannt hat. Letztes Jahr war das der Moment, als die Prozession auf die UH-Wiese eingebogen ist. Das war ein Ankommen am Heiligtum nach einer echt arbeitsreichen und Stressigen Helferwoche, das mir ganz stark bewusst gemacht hat, warum wir uns den ganzen Stress eigentlich geben. Ich bin fest überzeugt, dass es irgendeinen Moment des Ankommens auch nächste NdH geben wird – und darauf freue ich mich am meisten. Und natürlich auf das vollkommen durchgedrehte Programmteam!

Redaktion: WasBene: wünscht ihr den Teilnehmern, was sie für sich mitnehmen sollen, wenn sie die Nacht des Heiligtums 2018 verlassen?

Maria: Ein glückliches Lachen, frischen Wind in ihrem Glauben und den Wille zum verwirklichen!

Bene: Eine Erinnerung oder einen Impuls, der in den Alltag hineinträgt – damit die NdH für jeden ein echter Mehrwert wird.